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Masterthesis SS 2011
Ruhrgebiet/Detmold
betreut: Prof'in R.Reich
Strategie
Seit mehr als über 100 Jahre beschäftigen sich Theo­retiker mit dem Phänomen Stadt und den daraus resul­tierenden Veränderungen. Bezeichnungen wie „distan­ziert“, „gleichgültig“ und „reserviert“ haben sich in die allgemeinen Empfindungen eingenistet.

Haben die Städte ihre Sprache verloren? Mit dieser Fra­gestellung im Gepäck machte ich mich als Forscherin auf den Weg in den Stadtdschungel, um das Unsicht­bare sichtbar zu machen. Das Ungehörte hörbar. Eine skurril anmutende Wohnzimmersituation vor einem Ki­osk diente mir als Medium zum Städter, dort kam ich mit den Bewohnern des Ruhrgebiets ins Gespräch. Ich interessierte mich für des Städters „Lieblingsding“, den „treuen Begleiter“, stand aber auch jedem „Wunschkon­zert“ mit offenem Ohr gegenüber. Die Stadtbewohner wurden zu zufälligen Darstellern in meiner Inszenierung. Der öffentliche Raum ist Theater in dem Bewusstsein hergestellt, ja auch provoziert werden kann.
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Konzept
Der Ruhr-Pott. Unendliche Weiten an Industrieland­schaft und Verkehrsnetzen. Seit ein paar Jahren spricht man von einer einmaligen Wandlung der ehemaligen Montanregion. Doch wie sieht die Transformation des Ruhrgebiets aus der Sicht der Stadtbewohner aus? Verflechtungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft konvertieren den weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinausgehenden „Mythos Kiosk“ zu einer neuen Inszenierung. Der Kiosk wird zum Träger der gewonnenen Informationen. Erst nur Hintergrund, wan­delt er sich nun zu einem dreidimensionalen Raum, be­stehend aus Verkaufsfläche und dem Rückzugsort der Budenbesitzerin. Das Gehör ist für viele eine Selbstverständlichkeit, doch rückt man es in das Bewusstsein ist es wie ein Ge­schenk: Das entwickeln einer Hörhaltung, als Schlüs­sel zur menschlichen Kommunikation und sozialer In­tegration wird zur Basis der Inszenierung.
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„Eine gemischte Tüte Ruhrpott-Profile bitte!“
Im Verkaufsbereich der Trinkhalle können die Besu­cher, in Anlehnung an eine gemischte Tüte Klümp­chen, unter verschiedenen Ruhrpottprofilen wählen. Diese einzelnen Profile spiegeln die Stadtbewohner mittels Bild und Ton wieder. Um diese zu konsumieren darf der Kioskbesucher sich im hinteren Bereich der Bude niederlassen. So unterschiedlich wie die einzel­nen Stadtbewohner sich präsentierten, so verschieden sind auch die entstandenen Tonspuren und Träger, die MP3-Player. Vielfältigen Erzählungen und Anekdoten der Stadtbewohner gepaart mit handfesten Informa­tionen der Stadtsoziologen erzeugen facettenreiche Bilderketten in den Köpfen der Konsumenten, die nie gleich sind. Die Stadt, ein bisschen hässliches Entlein, aber auch irgendwie Schwan - sie ist eine einzige Bühne.
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