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Projekt SS 2010
Detmold/Ausstellung Temde
betreut: Prof.´ in Reich/ Prof. Nether
Strategie
In „Die Herrschaft des Todes“ beschreibt Robert Harrison das in der heutigen Zeit, der Mensch bewahrt werden muss vor der Heimatlosigkeit und von der Unbestimmtheit der Natur. Der Mensch muss das Bewusstsein für seine Wurzeln und für die Geschichtlichkeit des Ortes, an dem er lebt, bewahren. Dies umfasst, dass jegliche Bildung von Heimat und damit von Gebäuden und Architekturen, in denen der Mensch lebt, an den spezifischen Ort und die Geschichten der dort Begrabenen gebunden ist. Trauer zu durchleben wird in der Gesellschaft als unerwünscht und demoralisierend angesehen. Es fehlt an konkreter Erfahrung und Sprache im Umgang mit dem Tod. Die Trauersteine geben den Menschen die Erlaubnis zur Trauer im öffentlichen Raum. Ein Platz mit sinnlich-konkreter Präsenz. Es findet eine gesellschaftliche Verortung des Todes statt. Denn das Bedürfnis besteht auf Vergänglichkeit und Tod mit etwas Überdauerndem zu antworten.
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Konzept
Der Platz in der Stadt als Ort der absoluten Öffentlichkeit steht im Kontrast zur vollständigen Individualität der begehbaren Steine. Daher ist es wichtig eine zeitliche Distanz zu schaffen. Der Trauernde wird von den Steinwächtern in Empfang genommen. Erhält dort eine Einweisung und die Neutralisierung vom Alltag, durch das Anlegen des funktionalen Gewandes.
1.Phase:
Die erste Traueraufgabe besteht darin, zu realisieren, dass der Verstorbene tot ist und nicht zurückkehren wird. Den Verlust als Realität akzeptieren. Für das Durchlaufen dieser ersten Phase steht der Oberste der Steine. Der Trauernde erklimmt über eine, schier endlos scheinende, Leiter den höchsten Stein durch einen Spalt. Von Aussen in seinem ursprünglichen Zustand belassen, bietet der Stein im Inneren eine glatt-geschliffene Oberfläche und offenbart seine natürliche Schönheit. Der Betroffene wird auf sich selbst zurückgeworfen, vertraut seiner Intuition und spürt sich im „großen Ganzen“.
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Konzept
2.Phase:
Der Schmerz über den Verlust eines Menschen muss anerkannt und durchlebt werden, weil er sich sonst in Symtomen wie Angststörung und depressiven Erkrankungen äußern kann. Alles was der Vermeidung oder Unterdrückung Vorschub leistet, verlängert den Trauerprozess. Verkörpert wird diese Phase durch den oberen zweiten Stein. Der Trauernde erlangt diesen über eine senkrecht stehende Leiter. Der Aufstieg ist beschwerlich, der Hinterbliebene erlebt Schmerz in diesem Moment rein körperlich. Um dann in den Stein abzutauchen und sich selbst zu spüren.
3.Phase:
Der Trauernde muss die Reorganisation seiner Situation und seiner selbst leisten. Ein Anpassen an eine Umwelt ohne den Verstorbenen.Für dieses Stadium steht der vorletzte Stein. Eine im Vergleich zu den anderen kurze Distanz ist zu überwinden. Der Stein schon nah am Boden und doch fühlt der Mensch sich in Sicherheit, weit genug von dem unten herrschenden Trubel des Platzes entfernt, dennoch alles im Blick. Denn die große Öffnung im Stein lässt eine weite Aussicht zu. Ungeachtet dessen erlebt der Trauernde die ursprüngliche Kraft die in dem bearbeiteten Stein steckt. Energien können fließen und neu kanalisiert werden.
4.Phase:
Gefühlsmäßig von dem Verstorbenen ablösen. Die so frei werdene emotionale Energie kann in neue Beziehungen investiert werden. Diese Aufgabe entspricht dem Abschluss der Trauerarbeit. Der am Boden stehende Stein versinnbildlicht die letzte Phase. Unterschiedlich tief in den Stein gearbeitete Nischen ermöglichen den Trauernden Zuflucht zu finden. Gleichzeitig stehen sie wieder mitten im Leben, auf einer Ebene mit den Besuchern dieses öffentlichen Platzes- der Gesellschaft. An dieser Stelle kann nun ein Austausch zwischen den Trauernden oder den zufällig vorbeilaufenden Menschen erfolgen.
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Loslösung
Im Rahmen des Projektes haben wir uns mit den Themen Tod und Trauer beschäftigt. Begleitet von der Fragestellung, ob es neue Formen für das Umgehen der Gesellschaft und des Einzelnen mit dem Tod geben kann. Die Beschäftigung mit dem Tod als Teil des Lebens lässt einen aufmerksam werden für die Spuren, die der Tod in der Gegenwart hinterlässt und die einen stärker als je zuvor in das Leben zurückführen. Aus dieser Auseinandersetzung ist unter anderem die Arbeit: Trauersteine entstanden, die einen neuen individuellen Zugang zu dem Thema gesucht und gefunden hat. Eine verlassene Fabrik wird Ausstellungsort. Ein Raum mit Geschichte und spürbarer Präsenz, der den Alltag ausblendet und eine Konzentration der Sinne und Gedanken erschafft. In dieser Isolation werden Tod und Leben miteinander verknüpft und öffentlich zum Thema und persönlich zum Impuls. Ein kostbarer Gedanke kann entstehen, um ihn zurück in den Alltag und in das tägliche Leben zu tragen und dort zu bewahren.